Adeliges Gut Gelting

 

Besitzer

Gut und Bauten

 

 

 

 

1231

königlich

1231

Gelting / Gyaeling

1428

Claus v. d. Wisch

1470 oder 1476

Turm und Ostflügel

1470

königlich

1680

Westflügel

1494

v. Ahlefeldt

1710

Priesholz abgetrennt

1724

Gottfried v. Wedderkop

1746 und 1753

Bau der Wirtschaftsgebäude

1736

königlich

1770

Umbau und Erweiterung Mitteltraktes

1758

Sönke Ingwersen, Baron von Geltingen

1789

Anlage des französischen und des englischen Gartens

1786

sein Sohn Rudolph

1789

Aufhebung der Leibeigenschaft und Parzellierung

1820

sein Neffe Levin Baron von Hobe Geltingen

1877

Umbau Ostflügel

 

Siegfried Baron von Hobe Gelting

1899

Restaurierung Mittelbau

 

Bertram Baron von Hobe Gelting

1925

Einbau der Kapelle im Turm und im Ostflügel

 

Siegfried Baron von Hobe Gelting

1972

Brand des Kuhhauses

 

Bertram Baron von Hobe Gelting

1987

Abbruch des alten Pferdestalls

 

Siegfried Baron von Hobe Gelting

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig Holstein

Henning von Rumohr, Neubearbeitung von Cai Asmus von Rumohr

Verlag Weidlich Würzburg

 

….. Nun war der König wiederum und schon zum dritten Male im Besitz von Gelting. Er übergab die Verwaltung dem Statthalter auf Schloß Gottdorf, den Marktgrafen von Brandenburg-Kulmbach, der sich 1751 bemühte, das ganze Gut zu parzellieren. Aber es fanden sich nicht genügend Käufer, vielleicht waren sie durch das Hin und Her der vergangenen Jahrzehnte abgeschreckt. Als man sah, daß das Gut als Ganzes erhalten bleiben müsse, suchte man nach einem neuen Gutsherren. Zuvor ließ aber der Markgraf den Hof in Ordnung bringen, so wurde zwischen 1746 und 1753 die Scheunen und Ställe nach Entwürfen des Landesbaumeisters O. J. Müller teilweise neu gebaut, teilweise umgebaut.

 

Das schlichte Torhaus, das sich der Landschaft vorzüglich eingliedert, ist in seiner jetzigen Gestalt im Jahre 1754 erbaut worden, ruht aber auf älteren Fundamenten.

 

 

Endlich im Jahre 1758 fand sich ein Käufer, Sönke Ingwersen (siehe auch unter VIPs) aus Langenhorn in Nordfriesland. Dieser hochbedeutende Mann hatte schon bis zum Erwerb von Gelting ein geradezu phantastisches Lebensschicksal hinter sich. Als er jetzt als Herr auf Gelting einzog, blühte Haus und Gut unter seiner kundigen Hand zu einem der schönsten Schlösser unseres Landes auf. Man darf füglich Gelting als Schloß ansprechen, der Holsteiner macht bis zum heutigen Tage den Unterschied zwischen Herrenhaus und Schloß, dieser letztere Begriff ist im Allgemeinen den landesherrlichen Bauten vorbehalten wie Gottdorf, Glücksburg, Husum, Reinbek. Aber auch auf unseren Gütern gibt es vereinzelte Beispiele, wo statt des Herrenhauses ein Schloß steht, im Holsteinischen Breitenburg und Ahrensburg, im Herzogtum Schleswig als einziges Gelting. So fand hier Sönke Ingwersen den geeigneten Boden für seine hochfliegenden Pläne vor.

 

Er war im Jahre 1715 in dem Dorfe Langenhorn in Nordfriesland geboren und stammte aus altem friesischem Geschlecht, sein Großvater mütterlicherseits war Propst in Leck gewesen, und von ihm selber wird berichtet, daß er des Lesens und Schreibens kundig war. Kaum erwachsen, geriet er im Dorfe auf einer Tanzerei in einen Streit mit einem Nebenbuhler und schlug ihn nieder. Sönke Ingwersen glaubte ihn erschlagen zu haben, was sich glücklicherweise später als Irrtum herausstellte. Auf alle Fälle lief er in der gleichen Nacht im Jahre 1734 von zuhause fort, gelangte über Hamburg nach Amsterdam und von dort auf ein holländisches Schiff, das nach Ostindien segelte. Bei seinem kometenhaften Aufstieg zu einem großen Herrn wußten Zeitgenossen und spätere Chronisten sich nicht genug zu tun in der Erfindung immer neuer Ammenmärchen. Jetzt sollte er plötzlich Barbier und Heilgehilfe gewesen sein. Die Wahrheit dürfte wohl darin liegen, daß der Kapitän des Schiffes, auf dem er sich nach Indonesien anheuern ließ, auf der Reise ein Bein brach und daß es Sönke Ingwersen gelang, das Bein kunstvoll zu schienen. Zum Dank dafür verschaffte ihm der Kapitän eine Anstellung bei der holländisch-ostindischen Kompagnie in Batavia.

 

So hatte er die erste Stufe auf der Leiter zum Erfolg erklommen, sie führte höher und höher, schließlich wurde er Resident in Cheribon auf Java, heiratete dort die schöne Adriana van Loo aus altem holländischem Geschlecht und stieg auf zu Reichtum und Ansehen. Aber als seine Frau in jungen Jahren verstarb, wurde die Sehnsucht nach der alten Heimat mächtig in ihm, er ließ sein gesamtes Vermögen nach Europa überschreiben, seine persönlichen Effekten in großartige, aus Mahagoniholz bestehende Schiffskisten verpacken - zwei von ihnen stehen noch heute in der Diele des Schlosses - und kam jetzt als reicher und angesehener Mann im Jahre 1757 wieder nach Schleswig-Holstein zurück. Zunächst nahm er seinen Wohnsitz im Haag und wurde hier durch den dänischen Staatsminister Johann Hartwig Bernstorff mit dem dänischen Gesandten im Haag de Cheusses auf das adelige Gut Gelting aufmerksam gemacht. Sönke Ingwersen griff zu und erwarb das Gut im Jahre1758 für 85 000 Rthlr. Im Jahre darauf wurde er in den dänischen Adelsstand erhoben unter dem Titel eines Barons von Geltingen.

 

Sönke Ingwersen latinisierte seinen Namen, aus dem friesischen Sönke wurde ein Seneca, ein Philosoph des klassischen Altertums. Diese Namensänderung hat er schon auf Batavia vorgenommen, nun strebte er diesem großen Gelehrten in vielem nach.

……

Er wandte erhebliche Mittel auf, um das Schloß mit dem nötigen Inventar zu füllen, legte eine umfangreiche Sammlung von Gemälden sowohl aus der eigenen Familie wie auch aus fürstlichen Häusern an. Sein Sohn und Nachfolger Rudolph Frhr. v. Geltingen berief 1789 den Gartenarchitekten J. C. Bechstedt, nach dessen Plänen Garten und Park gestaltet wurden. Die Zeit war schon über die einseitig konzipierten französischen Gärten des Hochbarock hinweggeschritten. Bechstedt schuf eine kombinierte Anlage von französischem und englischem Garten. Unmittelbar hinter der Gartenfront des Schlosses erstreckt sich die streng gehaltene Gartenanlage des französischen Stils mit Blumenparterre und Bosketts, daneben in geschickter Ausnutzung des Geländes ein englischer Park mit gewundenen Wegen.

 

Sönke Ingwersen selber pflegte Gelting als den „Hof von Angeln" zu bezeichnen. Zu seinem Lebensstil gehörte auch ein Theater, so erbaute er ein kleines Komödienhaus, in dem er die zu seiner Zeit so beliebten Schäferspiele aufführen ließ. Die Schauspieler wurden aus der eigenen Dienerschaft gestellt, die Kammerzofe Philippine der Baronin war die jugendliche Naive, der Kutscher Claus, auch Claus Husar genannt, weil er bei den Husaren gedient hatte, spielte den jugendlichen Liebhaber. Aber als wenige Jahre später das Theater stillgelegt wurde, konnte sich Claus nicht mehr an ein geregeltes Leben gewöhnen, er sank von Stufe zu Stufe, schließlich ließ er sich willig zum Mörder dingen. Im Jahre 1801 erschlug er die Frau Elisabeth Antoinette v. Ehrencron, geb. Baronesse v. Liliencron, in ihrem Gutshause Grumbyhof bei Schleswig. Claus Husar wurde von den Dienstmädchen des Hauses erkannt, bald darauf gefaßt und in Schleswig hingerichtet. Die Hintergründe seiner Tat sind dunkel, wenn auch starke Vermutungen in bestimmte Richtung gehen. Das Komödienhaus wurde später abgebrochen, heute steht nur mehr das Vorderhaus dieses Theaters, immer noch ein ansehnliches Haus. 1786 starb Seneca Geltingen auf einer Reise im Haag.

 

Ihm folgte sein Sohn Rudolf, †1820, der mit Caroline Christiane Gräfin v. Oeynhausen vermählt war. Er ließ während seiner Besitzzeit die Kirche in Gelting gründlich restaurieren.

 

Da er keine Kinder hinterließ, ging das Gut auf die Nachkommen der Tochter Adriane Sebranda, † 1803, über, die mit dem Amtmann Andreas August v. Hobe, † 1802, in Reinbek vermählt gewesen war. Die Hobe, die aus altem mecklenburgischen Geschlecht stammen, hielten jetzt ihren Einzug in Gelting.
 

So wurde der Sohn, der Rittmeister Levin L. C. L. v. Hobe, dritter Baron v. Geltingen,†1842.

Unter dem 19. Oktober 1821 erhielt er den Titel eines dänischen Barons, geknüpft an den Besitz des Fideikommisses Gelting unter dem Namen: v. Hobe Baron v. Gelting, erst 1828 wurde das Patent für ihn ausgefertigt. Im Jahre 1812 war er zum katholischen Glauben übergetreten.

Ihm folgte sein Sohn Siegfried v. Hobe Baron v. Gelting.

17.09.1816 - 24.09.1877

Dieser war Mitglied des schleswig-holsteinischen Provinciallandtages und starb während einer Tagung des Landtages in Rendsburg.

Sein Sohn Bertram, 07.12.1849, Flensburg 15.11.1911 war Päpstlicher Geheim-Kämmerer und Magistral-Ritter des souveränen Malteser-Ritter-Ordens. Er begann alsbald nach seinem Besitzantritt mit dem großzügigen Umbau des Ostflügels, der jetzt erst sein wohnliches inneres erhielt. 1899/1900 wurde der Mittelbau gänzlich restauriert. Bertram v. Hobe erwarb zwei adelige Güter zu Gelting hinzu, Düttebüll, das zunächst dem ältesten Sohne Siegfried übergeben wurde, und Ohrfeld, das der zweite Sohn Bertram, † 1961, erhielt.
Nach dem Tode von Bertram v. Hobe auf Gelting erbte Siegfried, † 1944, das Gut. Er wurde wie sein Vater Päpstlicher Geheim-Kämmerer, auch Magistral-Großkreuz des Malteserordens und war Dr. juris. Schon seit 1860 waren katholische Gottesdienste im Schloß abgehalten worden.

Siegfried Baron v. Hobe-Gelting ließ jetzt im Jahre 1925 in geschickter Ausnutzung der vorhandenen Räumlichkeiten durch den Architekten Bachmann aus Berlin eine Kapelle in das Schloß einbauen. Das untere Geschoß des mittelalterlichen Turmes nimmt den Altarraum auf, die anschließenden Räume des Ostflügels den eigentlichen Kapellenraum.

Siegfried war mit Ernestine Monforts verheiratet. Mönchengladbach 19.01.1889 bis 08.11.1957

Nach seinem Tode ging der Besitz über auf seinen ältesten Sohn Bertram Baron v. Hobe-Gelting,

 

 

von diesem im Jahre 1970 auf dessen ältesten Sohn Siegfried Baron v. Hobe-Gelting.

Von diesen beiden ist das Schloß großzügig restauriert worden, 1957/58 wurde die Vorderfassade erneuert, 1972 die Innenräume.

   

 

 

Kurz vor seinem Tode erhob Seneca Geltingen das Gut zu einem Fideikommiß, sicherlich aus weiter Voraussicht. Denn nach seinem Tode zeigte sich bald, daß der große Lebensstil des ersten Besitzers nicht aufrechtzuerhalten war. Bestimmend war hierfür die Tatsache, daß die allgemeine wirtschaftliche Lage der Herzogtümer in jenen Jahren sehr schlecht war. Der Sohn hob schon 1789 die Leibeigenschaft auf, begann mit der Parzellierung des Hoffeldes und veräußerte einen großen Teil des Grundbesitzes. Die Gutsuntergehörigen in den Dörfern erhielten 50 Besitzungen mit zusammen 2522 Heidscheffeln=rund 800 ha gegen Leistung einer kleinen Rente, des sogenannten Kanon, zu freiem Eigentum. Weitere 40 Parzellen wurden aus Geltinger und Nadelhöfter Hofland mit zusammen 2548 Heidscheffeln, also weiteren 800 ha, verkauft. Es gehören seitdem zum Gut der Haupthof mit 337 ha, der Meierhof Beverö mit 372 ha, an Wald in den beiden Hölzungen Nordschau und Holmkjer, sowie den Aufforstungen auf Beverö rund 140 ha, außerdem kleinere Anteile in den Dörfern Gelting und Lehbek.

Aus dem Gesamtbesitz wurden 1982 rund 140 ha Deichvorland und Hutungen an die landeseigene Stiftung Naturschutz veräußert. Damit wurde die Geltinger Birk – die von der Familie von Hobe bereits vor über einem halben Jahrhundert der Öffentlichkeit als Gebiet mit seltenen Biotopen zugänglich gemacht wurde – beträchtlich erweitert.

 

 

Luftaufnahme von 1914

um 1860

Quelle: Wikipedia
Gut Gelting ist mit einem Wassergraben umgeben und eines der ältesten Güter in Angeln. Das Herrenhaus geht auf ein landestypisches, sogenanntes Doppelhaus zurück und wurde später mit zwei Anbauten zu einer dreiflügeligen Anlage mit Ehrenhof erweitert. Das Herrenhaus ist im Privatbesitz der Barone von Hobe-Gelting und für Besucher nicht zugänglich.

 
     

 

Besuch des Schlosses anläßlich der 100 Jahre Ohrfeld Feier im Jahre 2009